Digital RealtyTeam

Projektleitung:
Sebatian Dienst, Heiko Stahl

Bauleitung: 
Alexander Viszt

Teamstärke:
bis zu 10 Mitarbeiter

September 2026

 

Nahwärmenetz – Aus Abwärme wird Wärme

Ein Blick auf unsere Baustelle

 

Was sonst verloren wäre, heizt jetzt ein Nachbargebäude

Ein Rechenzentrum produziert nicht nur Daten. Es produziert auch Wärme und davon eine ganze Menge. Bisher wird diese Abwärme in der Regel an die Umgebung abgegeben. In Frankfurt am Digitalpark Ostend entsteht jetzt eine andere Lösung: Die Wärme des Bestandsrechenzentrums FRA 14 wird ausgekoppelt und künftig für die nachhaltige Beheizung eines benachbarten Industrieunternehmens genutzt.
Rund 400 kW thermische Leistung können auf diese Weise nutzbar gemacht werden. Aus Energie, die sonst ungenutzt abgeführt würde, entsteht Wärme für ein Gebäude direkt nebenan.

Eine Idee, die aus Eigeninitiative entstanden ist

Das Besondere daran: Dieses Projekt musste niemand vorschreiben. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung von Bund, Land oder EU, die die Umsetzung erforderlich gemacht hätte. Das Projekt wurde aus eigener Initiative angestoßen – mit dem Ziel, vorhandene Energie sinnvoller zu nutzen und neue Wege für eine nachhaltigere Wärmeversorgung zu erproben. Damit ist das Projekt auch ein echtes Pilotprojekt: Es zeigt, wie aus der Kombination vorhandener Infrastruktur, moderner Wärmepumpentechnik und technischer Planung eine neue Form der Energieversorgung entstehen kann.

Niedrige Temperatur. Große Wirkung.

Technisch besonders spannend ist dabei das Temperaturniveau. Die Wärme wird aus dem Rechenzentrum lediglich mit etwa 25 bis 28 °C ausgekoppelt. Für eine direkte Gebäudebeheizung reicht das nicht aus. Genau hier kommt die Großwärmepumpe ins Spiel. Sie steht auf dem Grundstück des Wärmekunden und übernimmt den notwendigen Temperaturhub. Aus der Niedertemperatur-Abwärme des Rechenzentrums wird so Wärme mit einem Temperaturniveau von rund 60 °C, die anschließend für die Gebäudebeheizung genutzt werden kann. Das Prinzip dahinter ist clever: Die Wärme muss nicht erst aufwendig auf ein hohes Temperaturniveau gebracht werden. Stattdessen wird sie dort angehoben, wo sie gebraucht wird.

Zwei Gebäude. Eine gemeinsame Energiequelle.

Für die Verbindung der beiden Standorte haben wir eine komplett neue Wärmeinfrastruktur geschaffen. Über rund sechs Monate haben wir die Anbindung des FRA 14 realisiert. Die Wärmeleitung führt vom Dach des Rechenzentrums entlang der Fassade nach unten, anschließend durch das Erdreich bis zum benachbarten Industrieunternehmen. Dort wird die Abwärme an die von einem externen Partner gelieferte Großwärmepumpe übergeben. Von der Wärmepumpe führt eine weitere Leitung unterirdisch bis in die Heizzentrale. Dort haben wir das neue System in die bestehende technische Infrastruktur integriert. 

Präzision, wo sie keiner sieht

Was am Ende einfach aussieht, war in der Umsetzung anspruchsvolle technische Arbeit – insbesondere dort, wo später niemand mehr etwas davon sieht. Für die unterirdische Leitungsführung musste der vorhandene Untergrund präzise und möglichst schonend erschlossen werden. Dafür kam ein Saugbagger zum Einsatz. Bei der anschließenden Verfüllung wurde Flüssigverfüllung mit fließfähigem Sand eingesetzt. So lassen sich Hohlräume vermeiden und spätere Setzungen reduzieren – wichtig, damit auch der darüberliegende Asphalt dauerhaft stabil bleibt.

Nachhaltigkeit beginnt mit Machen

Für uns ist dieses Projekt mehr als die Umsetzung eines einzelnen Bauauftrags. Wir beteiligen uns aus eigenem Interesse an Projekten, die zeigen, wie Energie effizienter genutzt und technische Infrastruktur zukunftsfähiger gestaltet werden kann. Gleichzeitig braucht es genau dafür das entsprechende technische Know-how: Rohrleitungsbau, Tiefbau, Engineering, MSR- und Elektrotechnik müssen zusammenspielen, damit aus einer guten Idee eine funktionierende Anlage wird. Dass für das Projekt Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung stehen, unterstreicht die Bedeutung solcher innovativen Ansätze. 

Wir bauen an der Energieversorgung von morgen

Aktuell befindet sich das System in der Inbetriebnahme. Für uns ist das Projekt ein Beispiel dafür, was moderne Anlagenbauer heute leisten können: Energiepotenziale erkennen, komplexe Zusammenhänge verstehen, unterschiedliche Gewerke verbinden und daraus Lösungen entwickeln, die über den einzelnen Auftrag hinaus Wirkung entfalten. Denn manchmal muss man keine neue Energiequelle erschließen. Man muss nur anfangen, die vorhandene Energie besser zu nutzen. 
Wir wollen nicht darauf warten, dass sich die Energieversorgung verändert. Wir wollen an den Lösungen mitbauen.

 

Auftraggeber:
Digital Realty Germany GmbH 

Gewerke: 
Fernwärme, Heizung, MSR, Elektro, Tiefbau

Auftragsvolumen:
ca. 1 Mio. €

 

 

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Fotos zum Projekt

Fernwärmeleitung
Flüssigverfüllung mit fließfähigem Sand
Abwärmeabgabe an Großwärmepume des Nachbargebäudes